Behindertenbeirat beschließt neuen Aktionsplan
In seiner jüngsten Sitzung beschloss der Behindertenbeirat einen vielseitigen Aktionsplan. Zu den Vorhaben zählen etwa eine Filmvorführung zum Thema Behinderung, ein öffentlicher Vortrag über inklusives Wohnen und bezahlbare Mieten im sozialen Wohnungsbau sowie weitere Ortsbegehungen. Bei den regelmäßigen Begehungen überprüft der Beirat mögliche Hindernisse vor Ort. Künftig will der Beirat verstärkt Spielplätze auf ihre Barrierefreiheit testen. Der Beirat vertritt die Belange behinderter Menschen und soll im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention deren Teilhabe in allen Lebensbereichen voranbringen.
„Bei der Ortsbegehung in Flonheim im April waren viele Mitglieder des Beirats vertreten“, erklärte die Sprecherin des Beirats, Nina Becker. Sie hoffe, dass einige der gesammelten Ideen umgesetzt werden, beispielsweise haptische Bodenmarkierungen für Blinde. Positiv aufgefallen sei die neue Infothek mit Exponaten zum Anfassen.
Auch die Auftaktveranstaltung des Fußverkehrschecks in Alzey sei gut besucht gewesen. Beiratsmitglied Martina Tarhri betonte, dass Fußgänger an den Ampeln in Alzey zu wenig Zeit hätten, bei Grün die Straße zu überqueren. Das Tempolimit in der Ostdeutschenstraße begrüßte Tarhri, doch ausparkende Autos an der Sparkasse stellten noch immer eine Gefahr dar. Tarhri und Becker bemängelten zudem Falschparker, die Wege und Parkplätze für Behinderte versperrten.
Im Mai und Juni besuchten Nina Becker und ein weiterer Sprecher des Beirats, Reiner Jakobs, sowie weitere Mitglieder vier Grundschulen in der Verbandsgemeinde (VG) Alzey-Land. Die Angebote wie ein Rollstuhlparcours und Auskünfte über Gebärdensprache oder Blindenschrift seien bei den Kindern und Lehrkräften sehr gut angekommen. Auch unsichtbare Behinderungen wie Depressionen oder das Erleben von Reizüberflutung thematisierten die Mitglieder dort. „Wir erzählten, dass man einen Menschen falsch einschätzen kann, wenn man nicht mit ihm spricht“, erklärte Jakobs. Landrat Heiko Sippel unterstrich: „Die Schulbesuche sind eine gute Gelegenheit, schon junge Menschen zu sensibilisieren und sie tragen dazu bei, dass Kinder viel über Barrierefreiheit lernen.“ Nina Becker resümierte: „Die Kinder sind sehr offen und stellen viele Fragen. Die Schulbesuche waren ein voller Erfolg.“ Schulsozialarbeiterin in der VG Alzey-Land Nicole Manz bestätigte das positive Fazit: „Wir wollen das Projekt gerne jedes Jahr durchführen.“
Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern, ist das Ziel der Leiterin der Eingliederungshilfe und Werkstätten Alzey Region Nord, Stephanie Vollrath. Dies bedeute mehr Teilhabe der Behinderten am gesellschaftlichen Leben. Bei der Sitzung erklärte Vollrath: „Budget für Arbeit ist eine tolle Wertschätzung.“ Das Budget für Arbeit ist ein Lohnkostenzuschuss der Eingliederungshilfe für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Voraussetzung ist der Anspruch auf Leistungen in Werkstätten für behinderte Menschen sowie eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Die Behinderten können stets in die Werkstätten zurückkehren. Vollrath hob hervor: „Am Anfang muss man mehr Zeit investieren, aber es lohnt sich. Die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber gewinnen sehr zuverlässige und treue Mitarbeitende.“ Vollrath stellte außerdem die positiven Effekte begleiteter Praktika und des Schichtwechseltags vor, an dem Mitarbeitende mit und ohne Behinderung ihre Arbeitsplätze miteinander tauschen.
Janine Malkmus vom Aktionsbündnis für Kinder lud herzlich zur Teilnahme am diesjährigen Benefizlauf am Forsthaus Vorholz ein. Der gemeinnützige Verein sammelt mit kreativen Aktionen Spenden für Familien in Not oder Kinder mit Beeinträchtigung.
Die nächste Ortsbegehung des Behindertenbeirats findet am Dienstag, 14. Oktober, um 16 Uhr in Gau-Odernheim statt.
