Fünf Jahre Warbede Frauennotrufe Alzey: Einsatz, Schutz und Beratung für Frauen und Mädchen in der Region.
Anke Gilpatrick, Mitarbeiterin des Frauennotrufs Alzey, begrüßte die Gäste herzlich: „Möge die Kraft und die Energie der Sonne unsere Arbeit in den nächsten Jahren tragen.“ Sie dankte insbesondere Landrat Heiko Sippel für die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem Warbede Frauennotruf, der Kreisverwaltung und der Gleichstellungsstelle des Landkreises Alzey-Worms.
Landrat Heiko Sippel zog in seiner Ansprache eine positive Bilanz und blickte auf die Anfänge zurück: „Fünf Jahre – wie schnell die Zeit vergangen ist.“ Er erinnerte an die schwierige Startphase: Die Corona-Pandemie und die Schließung des vorherigen Frauenzentrums Alzey im Jahr 2020 hatten den Landkreis vor enorme Herausforderungen gestellt. Dank schneller Kontakte über die Gleichstellungsstelle konnte mit Warbede jedoch rasch eine neue Hilfestruktur aufgebaut werden. Auf die Frage, ob fünf Jahre Frauennotruf ein Grund zum Feiern seien, fand Sippel klare Worte: „Es wäre viel besser, wenn es den Notruf nicht bräuchte und wir in einer gewaltfreien Gesellschaft leben könnten. Aber ja, es ist absolut ein Grund zu feiern, weil sich der Frauennotruf in der Lebensrealität sehr schnell zu einer unverzichtbaren Anlauf- und Vertrauensstelle für die Opfern sexualisierter Gewalt entwickelt hat.“
Der aktuelle Jahresbericht verdeutliche, dass sexualisierte Gewalt nicht allein die Opfer in ihrer individuellen Belastungssituation stark betreffe, sondern auch ein Problem unserer Gesellschaft sei. Es brauche Bewusstseinsschaffung und den Ausbau weiterer Hilfestrukturen. „Wir benötigen eine Nulltoleranz in unserer Gesellschaft für jegliche Form der Gewalt an Frauen und Mädchen. Die Scham muss die Seite wechseln“, betonte der Landrat mit Verweis auf die Frauenrechtsaktivistin Gisèle Pelicot. Dem Team des Warbede Frauennotrufs dankte er für die engagierte Arbeit und das hervorragende Miteinander.
Klaus Kübler, der Erste Beigeordnete der Stadt Alzey, lenkte den Blick ebenfalls auf das gesellschaftliche Denken, in diesem sei vielerorts noch immer die Vorstellung der „Frau als Besitz des Mannes“ verankert. Kübler dankte dem Warbede-Team für den unermüdlichen Einsatz und wünschte der Beratungsstelle für die Zukunft, im positiven Sinne, möglichst wenige Anrufe, als Zeichen einer gewaltfreieren Welt. Annette Diehl, unabhängige Landesbeauftragte gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen, bezeichnete das Jubiläum als „wunderbaren Neustart“. Sie bescheinigte den Alzeyer Kolleginnen großartiges Engagement: „Die Menschen sind hier gut aufgehoben.“ Gleichzeitig forderte sie dazu auf, den Blick stets auf das Machtgefälle als strukturelles Symptom der Gesellschaft zu richten. Nur durch gezielte Achtsamkeit und Sensibilisierung könne echte Ursachenbehebung stattfinden.
Ronja Scheu, Geschäftsführerin des Warbede Frauennotrufe e.V., zog eine beeindruckende und zugleich nachdenklich stimmende Bilanz der bisherigen Arbeit: „In den vergangenen fünf Jahren haben wir rund 400 Menschen in über 1000 Gesprächen beraten. Das sind fünf Jahre Arbeit gegen sexualisierte Gewalt an Frauen und Mädchen.“ Sie betonte, dass der Notruf Betroffenen Schutz und Glaubwürdigkeit biete. Das Team sei gleich in der Anfangszeit herzlich im regionalen Netzwerk aufgenommen worden und das Thema positioniere sich inzwischen fest in der Mitte der Gesellschaft des Landkreises. „Die Arbeit ist nicht immer leicht zu verkraften und ist mitunter auch belastend, wichtig ist aber das gemeinsame Ziel: Dass Frauen ohne Angst und mit Unterstützung sicher leben können.“ Da sexualisierte Gewalt ein Tabuthema bleibe, versprach Scheu, sich auch in Zukunft lautstark für die Betroffenen einzusetzen: „Du bist gehört. Du wirst ernst genommen. Du bist nicht allein. Mit dem heutigen Jubiläum möchten wir Kraft schöpfen für alles, was noch kommt.“
