Kreiskrankenhaus als Anker der Stabilität in der Gesundheitsversorgung
Wichtig sei – darauf verweist der Landrat –, dass der Kreis mit den Führungskräften des Krankenhauses einen Plan habe, wohin sich das Krankenhaus bewegen soll. „Das Kreiskrankenhaus ist Vollversorger mit exzellenter Kompetenz in wichtigen medizinischen Bereichen, von der Unfallchirurgie über die Geriatrie bis zur interdisziplinären Intensivmedizin“, so Sippel. Dass Landkreise wie in diesem Fall ein von der Insolvenz bedrohtes Krankenhaus übernehmen, ist keine Selbstverständlichkeit. „Wir haben zwar den Sicherstellungsauftrag zur stationären Versorgung in den Landkreisen, aber klar ist auch, dass ein Eigenbetrieb im Haushalt des Kreises immer eine besondere Rolle einnehmen wird, vor allem wenn er rote Zahlen schreibt“, macht der Landrat deutlich.
Rund 60 Prozent der Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz sind nicht auskömmlich finanziert. Das ist ein Aspekt, den der Landkreistag in seinem Forderungspapier an die neue Landesregierung unter der Überschrift „Schutz und Sicherheit in Gesundheit und Krisen“ aufgreift und protestiert: Das Land ist verantwortlich, „die entscheidenden Rahmenbedingungen und Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass alle Menschen entsprechend ihren Behandlungsbedarfen stationäre und ambulante Einrichtungen in erreichbarer Nähe haben.“ Die Landrätinnen und Landräte fordern einen frühzeitigen und transparenten Prozess der Landeskrankenhausplanung. „Kein Klinikstandort darf in eine existenzielle Situation kommen, ohne dass eine tragfähige konzeptionelle Auffangsituation geschaffen wird. Der Sicherstellungsauftrag der Landkreise muss ultimative Lösung sein. Das Land muss bei der Suche von geeigneten Trägern unterstützen. Insbesondere muss im Zuge der Krankenhausreform klar sein, welche Ausstattung ein Krankenhaus der Grundversorgung benötigt“, heißt es in dem Positionspapier. Dieses benennt umfangreich die Hebel, die das Land gemeinsam mit den Kommunen in Richtung einer dauerhaften und qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung in der Fläche stellen muss.
Dazu gehört aus Sicht des Verwaltungsdirektors des Kreiskrankenhauses Alzey, Frank Müller, auch das Krisenmanagement. „Es ist ein Vorteil, kritische Situationen als Kreiskrankenhaus angehen zu können“, macht Müller deutlich. „Wir sind in der Lage, in enger Kooperation mit dem Katastrophenschutz des Kreises Herausforderungen zu meistern, die unerwartet und umfänglich sind. Krankenhäuser sind ein Angebot an die Bevölkerung, vor allem an vulnerable Bürgerinnen und Bürger, in der Krise ein Hort der Stabilität und Versorgung zu sein“, ist sich Müller mit Blick auf geopolitische Herausforderungen sicher.
Die Landkreise sind die Adressaten der Bürgerinnen und Bürger, wenn es um die Gesundheitsversorgung vor Ort geht, auch wenn sie im Sinne des Gesetzes nicht zuständig sind. Mit der Übernahme des Krankenhauses hat der Landkreis Alzey-Worms die Verantwortung für die stationäre Versorgung übernommen. Landrat Heiko Sippel: „Das war ein Kraftakt für alle, auch für die Kreisgremien. Ich bin zuversichtlich, dass sich diese Anstrengung für die Bürgerinnen und Bürger der Region langfristig lohnen.“
Foto: Landrat Heiko Sippel, Heike Arend (geschäftsführende Direktorin des Landkreistags Rheinland-Pfalz) und Verwaltungsdirektor Frank Müller blicken auf eine erfolgreiche Entwicklung des Kreiskrankenhauses in den vergangenen Monaten. Foto: Simone Stier / Kreisverwaltung Alzey-Worms.
