Strategische Grundlage für die Energiewende im Landkreis
Breits heute könne der Strombedarf im Landkreis zu 164 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt werden: „Das neue Konzept zeigt, wo wir heute stehen, welche Herausforderungen vor uns liegen und welche konkreten Handlungsmöglichkeiten wir haben. Dabei gilt es, keine Zeit zu verlieren. Denn der Klimawandel gibt uns keine Verschnaufpause.“ Erste Schritte seien für 2026 geplant.
Für die Erstellung des Konzepts hat die Kreisverwaltung die EWR Climate Connection GmbH, eine Tochter der EWR AG aus Worms, beauftragt. Die Planung ist in enger Zusammenarbeit mit den sechs Verbandsgemeinden sowie der Stadt Alzey und mit einer aktiven Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger erfolgt. Björn Bein, Mitarbeiter der EWR Climate Connection, präsentierte das Konzept und betonte, dass der Landkreis in Bezug auf den Klimaschutz vor erheblichen strukturellen Herausforderungen stehe: „Der Wärme- und Energiebedarf im Kreis wird derzeit überwiegend durch fossile Energieträger gedeckt, ebenso in den kreiseigenen Liegenschaften. Diese Ausgangslage führt zu hohen Treibhausgasemissionen und verdeutlicht, dass die bisherige Form der Energieversorgung mit steigenden Gaspreisen und Netzentgelten langfristig nicht zukunftsfähig ist.“
Die größte Aufgabe bestehe darin, den notwendigen Transformationsprozess weg von fossilen hin zu erneuerbaren Energien technisch, organisatorisch und finanziell so zu gestalten, dass er für alle Beteiligten umsetzbar bleibe. Gleichzeitig zeige das Konzept, dass bereits heute erhebliche Potenziale vorhanden seien. Zu diesen Potenzialen zählten insbesondere der Ausbau erneuerbarer Strom- und Wärmeerzeugung, Effizienzmaßnahmen in kreiseigenen Liegenschaften sowie strategische Ansätze in den Bereichen Mobilität und Gebäudesanierung. Das Klimaschutzkonzept empfiehlt, diese systematisch zu erschließen, indem der Landkreis seine Rolle als koordinierende Stelle stärkt, die Kommunen fachlich begleitet und durch Monitoring, Energieberichte sowie klare Standards ein verlässliches Steuerungsumfeld schafft.
„Klimaschutz wird auf Landkreisebene dann wirksam, wenn Entscheidungen gut vorbereitet, technische Lösungen frühzeitig geprüft und Fördermöglichkeiten konsequent genutzt werden“, erläutert Landrat Sippel: „Mit dem jetzt beschlossenen Handlungsrahmen geben wir sowohl den politischen Gremien als auch der Öffentlichkeit eine klare Orientierung.“
Nach der Verabschiedung durch den Kreistag soll die Umsetzung nun schrittweise erfolgen. Der Maßnahmenkatalog bildet dabei den Rahmen für die weitere Arbeit und dient als Grundlage für Priorisierung, Zeitplanung und Ressourceneinsatz.
Die Maßnahmen unter anderem im Bereich ÖPNV, die schrittweise Umsetzung des Radverkehrskonzept, eine Energieeffizienzkampagne und Energieberatung werden in bestehende Verwaltungsabläufe integriert und in enger Abstimmung zwischen den Fachbereichen, dem Gebäudemanagement und dem Klimamanagement weiter konkretisiert. Für die kreiseigenen Liegenschaften erfolgt die Umsetzung auf Basis der Prioritätenliste für Baumaßnahmen des Gebäudemanagements, ergänzt durch die im Rahmen des Konzepts erarbeitete Dekarbonisierungs-Strategie mit der Reduzierung und Vermeidung von Kohlendioxid-Emissionen. Daraus lassen sich objektbezogene Umsetzungsfahrpläne ableiten. Die IGS Osthofen fungiere als Modellprojekt.
Eine regelmäßige wissenschaftliche Evaluierung soll sicherstellen, dass Fortschritte aufgezeigt werden, Maßnahmen bei Bedarf angepasst werden können und politische Entscheidungen auf einer verlässlichen Datengrundlage beruhen. Als Ziel soll die Klimaneutralität der Kreisverwaltung bis 2035 sowie die Klimaziele für das gesamte Kreisgebiet bis 2040 konsequent umgesetzt werden.